Kumpel müsst ihr sein: Die Holtzbrinck-Volontäre besuchten eines der letzten deutschen Steinkohlebergwerke und lernten, dass unter Tage eine strenge Kleiderordnung gilt.

Glück auf: Die Volontäre vor der Einfahrt

Von Saskia Littmann
Mit rund 11 Metern pro Sekunde geht es rasant abwärts. Ein offener Fahrstuhl fährt uns über 1000 Meter unter Tage, ins Bergwerk Prosper-Haniel im nordrhein-westfälischen Bottrop. Unten wartet das rund 127 Kilometer lange Streckennetz, welches die RAG Deutsche Steinkohle AG hier aufgebaut hat. Über mehrere Etagen wurde hier bereits Steinkohle abgebaut, pro Jahr fördern die 4500 Mitarbeiter rund 3,1 Millionen Tonnen Steinkohle.
Allerdings nicht mehr lange – im Jahr 2018 ist endgültig Schluss. Dann laufen die milliardenschweren Subventionen aus, mit denen sich der Bergbau bisher am Leben hält. So haben es Bundesregierung und Europäische Kommission entschieden.
Mittlerweile bauen die Kumpel Kohle auf der siebten Sohle ab. Eine Art Eisenbahn bringt uns an den Ort, an dem die Kohle gewonnen wird. Die Zeche in Bottrop ist eine der modernsten der Welt, ihre Technik ist das Nonplusultra auf dem Markt. Dass Ähnliches auch für die Ausstattung der Bergleute gilt, merken wir schnell. Neben dem obligatorischen Helm, festem Schuhwerk und einer Grubenlampe wird zusätzlich jeder von uns für den Besuch unter Tage komplett neu eingekleidet. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Statt Spitze gibt es heute auch für die weiblichen Besucher Feinrippunterwäsche. Alles andere wäre unter Tage zu leicht entzündlich.
Aber die Verkleidung lohnt sich. Der Blick hinter die Kulissen ist spannend, wir besichtigen einen Teil des weit verzweigten Wegenetzes des Bergwerks und dürfen schließlich einen Blick auf den Hobel werfen. Wie eine Art Käsehobel schabt er am Bergwerk entlang Steinkohle ab, Zentimeter für Zentimeter. Dabei spritzt viel Wasser, es ist heiß und laut. Wer zu neugierig ist und seinen Kopf weit in Richtung Hobel steckt, hat am Ende das typisch kohlegeschwärzte Gesicht der Bergleute.
Im Bergwerk Prosper-Haniel wird rund um die Uhr Kohle abgebaut, die Kumpel erscheinen in Schichten zum Dienst. Das herzliche „Glückauf“ gehört zu ihrem Alltag wie die tägliche Dusche nach Schichtende. Der Zusammenhalt ist spürbar. Anders geht es auch nicht, denn falls einem der Bergleute unter Tage mal etwas passiert, kommt es vor allem auf die gegenseitige Hilfe an.
Schließlich kann es dauern, bis der Notarzt es in die Grube zur Unglücksstelle geschafft hat. Auch wenn es um die Verteidigung ihrer Zunft geht, halten die Kumpel zusammen. Gegen die Kürzungen der Subventionen  zu demonstrieren war für die Bergleute selbstverständlich. Dafür ließen sie auch ausnahmsweise den Dienst ruhen.
Dennoch wird es im Jahr 2018 endgültig vorbei sein mit dem Steinkohleabbau. Für die Zeit danach arbeitet die RAG bereits an Alternativen. Beispielsweise soll die an den Schächten des Bergwerks freiwerdende Wärme genutzt werden, um umliegende Häuser zu heizen. Bereits heute wird auf diese Weise eine Schule mit Wärmeenergie beliefert. Gleichzeitig werden die Kumpel angehalten, sich gesund zu ernähren und viel Sport zu machen – Neueinstellungen hat die RAG auf ein Minimum reduziert.
In diesem Sinne: Ein gesundes Glückauf!