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„Ein großartiger Beruf, ich kenne keinen besseren“. So begeistert sich ein Absolvent der Holtzbrinck-Schule in unserer aktuellen Umfrage. Ein
anderer sieht auch die Schattenseite: „Richtig Geld verdienen kann man damit nicht.“
Das ist eine Facette aus 20 DIN A4 –Seiten mit sehr offenen Antworten zu offenen Fragen. Insgesamt machten sich 80 Alumni die Arbeit, den umfangreichen Fragebogen zu beantworten. Ihnen schuldet diese Zeitung Dank. Denn die hier vorgestellten Ergebnisse sind aufschlussreich und repräsentativ.
Würden Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter empfehlen, Wirtschaftsjournalist zu werden? So heißt eine der Kernfragen. Die Antwort steht im Widerspruch zur bekundeten Liebe zum Beruf. „ Auf keinen Fall“, sagen 16 Prozent, und nur elf ringen sich ein „ganz sicher“ ab. Der große Rest ist unentschlossen. Und das liegt nicht nur an den Verdienstaussichten. Angst vor Online & Co. sowie wachsender Kostendruck in den Verlagen bestimmen die negative Erwartung.
Die Schlagworte heißen: Quotendruck, Verlust an Qualität, Sorge um die Unabhängigkeit. Und das steckt konkret dahinter:
- Zwei von drei Absolventen erwarten, dass in den nächsten fünf Jahren Print erhebliche Marktanteile an Online abgeben wird. Das gilt für die Nutzung, vor allem aber für die Werbung.
- 82 Prozent befürchten, dass der Trend zur Vermischung von Werbung und Journalismus sich verstärkt.
Bei der Nutzung des Internet beruflich oder privat liegt Spiegel-online mit 90 Prozent erwartungsgemäß vorn, aber auf handelsblatt.com klickt immerhin jeder Dritte.
Glänzend schneidet im Urteil der Alumni die Holtzbrinck-Schule ab. 82 Prozent wurde hier das journalistische Handwerk sehr gut/gut vermittelt. (Klicken Sie auf die Grafik!)
Bei den Antworten zu den offenen Fragen fallen einige Schwerpunkte auf: Schreiben, schreiben, schreiben! So heißt es mehrfach und nicht ganz neu. Zitat: „Die Schule sollte mehr Zeit auf die Schreibstillehre verwenden“. Und dafür auf zeit-raubende Reisen zu Konzernen verzichten.
Sehr selbstkritisch geht es zu bei der Frage, warum Finanzjournalisten oft erst spät reagieren
wie beim Derivate-Skandal:
- Die Produkte sind zu kompliziert und die Belastung der Redakteure ist zu stark.
- Diese Themen sind so komplex, dass Chefredakteure und Ressortleiter lieber dankend abwinken.
- Erst wenn es richtig kracht, ist das Thema ein Thema.
- Wie bei der Internetblase 2000 sind auch Journalisten leider Lemminge.
Bei Zukunftsvisionen für die nächsten fünf bis zehn Jahre fühlen sich die Alumni technisch überfordert, politisch und wirtschaftlich gibt es aber auffällige Tendenzen:
- Demokratische Revolution in China
- Auflösung der EU
- Kolonisierung der Arktis
- Rohstoffkriege
- Zusammenbruch des Bankensystems
Unvergessen sind Sprüche des Gründers Ferdinand Simoneit wie dieser: „Redaktionen sind immer auch Abschreibungsgesellschaften.“
In bester Erinnerung auch die Exkursionen. Anfangs bescheidene Ausflüge ins Ruhrgebiet untertage. Später folgten mit Jens Eckhardt und Joachim Weidemann die Weltreisen nach China, Russland, Indien, Dubai und die Mongolei.
Abenteuer auch im Inland: So schwang sich ein Volo ohne Absicht auf den Chefsessel von Daimler-Chef Edzard Reuter. Ein Trauma bleibt für Daniel Ferling und seinen Jahrgang der Tag, an dem ihm fast der Himmel auf den Kopf fiel. Eine 30 Kilo schwere Platte hatte sich aus dem Glasdach des Schulraumes gelöst und schlug auf seinem Platz ein – Daniel hatte ihn Sekunden vorher verlassen. Wer diese Wirkungsstätte noch einmal besuchen will, muss sich beeilen. Denn in Kürze zieht die Schule um.
20 Jahre GvH-Schule für Wirtschaftsjournalisten: eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte. Wer nach einem Beweis sucht, muss nur in den „aufschluss“ der Absolventen blicken. Die Zahl der Top-Positionen kann sich wirklich sehen lassen:
Chefredakteure, Ressortleiter, Unternehmer und Geschäftsführer. Ein erfolgreiches Netzwerk also. Und das schätzen die Alumni ganz besonders.
Hans Zinken, Leiter des Online-Jahrgangs 2001/2003
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